The whole story – in prose

Die ganze Geschichte – in Prosa

Wichtig! Zum folgenden Artikel muss erwähnt werden, dass ich weder eine Tierärztin noch sonst in irgendwelcher Art qualifizierte Person bin, um Diagnosen zu stellen oder Empfehlungen abzugeben. Der Bericht spiegelt lediglich meine persönlichen Erfahrungen – unterlegt durch die prüfenden Augen des behandelnden Tierarztes – wider.

Oder: Wenn ein Katzenleben plötzlich Sch… ist

Einführung

Ein Sonnenstrahl tanzt auf meinem Notizbuch, doch in meinen Gedanken ist es düster. Eine freundliche Frühlingsbrise streicht mir übers Gesicht, bei mir jedoch herrscht trübste Winterstimmung. Es ist Mai 2013. 7 Tage habe ich mir gegeben. 7 Tage, die vielleicht schon bald die letzten für meinen Kater Merlin sein könnten. Es sind 7 Tage des Grauens, in denen mir unendliche Male mein Herz bricht, denn ich bin verdammt über das Leben meines Katers zu entscheiden. Entweder “leiste ich ihm” eine lebenswichtige Operation oder sein verfrühter Tod ist praktisch unausweichlich. Doch wie konnte es soweit kommen?

Wie alles begann

Am 4. Januar 2009 ergänze ich mein Leben mit zwei Adoptiv-Katern, Oskar und Merlin. Es sind Bauernhofkatzen, die von einer Dame gerettet und vom Katzenschnupfen befreit wurden. Die beiden sind zu diesem Zeitpunkt geschätzte 5 und 4 Jahre alt. Niemand kennt das genaue Geburtsjahr.

Im März 2010 bemerke ich, dass einer meiner beiden, Kater Merlin, sich über einige Tage ruhiger als sonst verhält und etwas durch die Gegend schleicht. Eines Nachmittags dann gibt er plötzlich diese schrecklichen Schreie von sich, voller Inbrunst und grauenhaft schmerzerfüllt. Ich weiss, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist und melde sofort einen Notfall beim damaligen Tierarzt an. Dieser tastet Merlins Unterbauch ab und teilt mir mit, dass es sich um eine Verstopfung handle. Ich muss den armen Kerl für einige Stunden da lassen, weil der Doc keinen anderen Weg sieht seinen Darm zu entleeren, als Merlin in Narkose zu legen. Der Veterinär erläutert mir nach der Prozedur, dass er den Darm mittels Einlauf und Massage entleeren konnte. Merlin erholt sich rasch und ist innert kürzester Zeit wieder der Alte. Und so bleibt es dann auch, bis im Frühjahr 2013. Wir ahnen allerdings nicht, dass wir soeben die erste Bekanntschaft mit dem Felinen Megacolon gemacht haben.

Die Geschichte entwickelt sich – rasant

Als ich im April 2013 wieder dieses Geschrei durch die Nacht hallen höre, schwant mir Böses. Sofort greife ich zum Telefon und melde Merlin bei der Kleintierklinik in Hünenberg an, zu der ich auf Empfehlung meiner Freundin inzwischen gewechselt habe. Wir düsen zusammen in die Nacht hinaus und wieder muss ich meinen grauen Tiger in der Praxis lassen.
Am folgenden Tag erwartet mich der Tierarzt für innere Medizin. Er bittet mich in sein Büro und zeigt mir das Röntgenbild. Es ist ein grausiger Anblick: Merlins Enddarm ist zu doppelter Grösse angeschwollen, gefüllt mit kleinen Kotklötzen. Der Anblick macht mir klar, dass der Inhalt dieses Darms niemals durch seine Hüftknochen passen würde. Entsprechend mussten am Vorabend wieder Einläufe und “manuelle Auskratzung” des Darmes eingesetzt werden.

Der zuständige Vet eröffnet mir dann die Diagnose: Merlin hat ein sogenanntes “idiopathisches Megacolon”, einen krankhaft erweiterten, trägen oder gar untätigen Enddarm, Ursache unbekannt. Der Tierarzt erläutert mir den Verlauf der Krankheit:

Suggested Laxatives
Suggested Laxatives

Im Anfangsstadium lässt sich die Darmträgheit allenfalls mit Laxativen und Stuhlenthärtern oder Medikamenten, die den Darm zum Arbeiten anregen, überwinden. Es ist gut möglich, dass die Sache wieder ein, zwei Jahre problemlos verläuft. Doch mit der Zeit ist wird die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Verstopfungen und entsprechenden Entleerungen beim Tierarzt immer grösser und die Abstände zwischen den Verstopfungen immer kürzer. Irgendwann zeigen die Medikamente keine Wirkung mehr und der Darm ist nicht viel mehr als ein Sack, der die entwässerten Massen an hartem Stuhl auffängt und nicht abzustossen vermag. Ist dieser Punkt erreicht, wird entweder der finanzielle Aspekt oder das Leiden des Tieres dem regelmässigen Gang zum Tierarzt früher oder später ein Ende setzen. Somit bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Einschläfern des Tieres oder eine Operation, genannt „subtotale Kolektomie“.

Operation: facts and figures

“Subtotale Kolektomie” bedeutet, dass ein Chirurg einen Teil des Dickdarms operativ entfernt. Je nach Zustand des Dickdarms wird nur ein Abschnitt oder aber das gesamte Stück bis bis auf einen kleinen Teil beim Übergang zum Dünndarm und einen am Hintern herausgeschnitten und dann die beiden Enden vernäht. Um diese Prozedur durchführen zu können, muss die gesamte Bauchlänge der Katze aufgeschnitten und danach wieder zugenäht werden.
Zu Problemen kann unter anderem ein bereits überbeanspruchter, spröder Darm führen. Die vernähte Stelle heilt nicht richtig oder reisst post-operativ, Kot gelangt in die Bauchhöhle und löst eine Entzündung aus. Aufgrund der hohen Infektionsgefahr im Zusammenhang mit dem Darminhalt verabreichen Tierärzte vor, oftmals auch nach der Operation Antibiotika. Mein Tierarzt erklärte mir allerdings, dass sie in der Klinik bewusst auf das Verabreichen von Antibiotika nach der Operation verzichten. Eine allfällige Infektion beispielsweise durch einen Darmbruch wird so umgehend bemerkt, während das Antibiotika allfällige erste Anzeichen unterdrücken und ein sofortiges Eingreifen verhindern kann.

Nach diesen Ausführungen erklärt mir der Vet, dass eine Operation im letzten Stadium der Krankheit nicht mehr ganz unproblematisch ist. Der träge gewordene und überbeanspruchte Darm ist nach dem Vernähen viel anfälliger dafür, aufzureissen, was wie erwähnt eine Bauchhöhleninfektion zur Folge hat. Aufgrund dieser letzten Ausführung – und weil Merlin bereits ein halbes Jahr später eine Flugreise über den Atlantik bevorsteht – empfiehlt mir der Spezialist in der Klinik dringend, die Operation möglichst bald durchführen zu lassen. Merlin sei noch jung genug und ansonsten fit, die Voraussetzungen sind also gut. Kostenpunkt: Je nach Verlauf zwischen CHF 1‘800 und 2‘500.

Meine erste Reaktion auf die Aussicht einer Operation ist ablehnend: Ich kann mir nicht vorstellen, meiner Katze ein Leben lang Medikamente zu verabreichen. Doch der Veterinär beruhigt mich; wenn die Operation gut verläuft, wird der Kater ein ganz normales Leben führen können, ohne Medikamente oder weitere Behandlungen. Weil Kater Merlin sich schon immer strikt weigerte, Feuchtfutter zu fressen, frage ich den Arzt natürlich, ob eine Umstellung auf Feuchtfutter etwas bringen würde. Doch der Doc gibt mir klar zu verstehen, dass dies keinerlei Besserung bringen würde. Der Darm ist träge bis untätig, da macht es keinerlei Unterschied, was verdaut werden muss.

Recovering from another “evacuation”

Da die letzte Verstopfung drei Jahre her ist, scheint es unwahrscheinlich, dass gleich die nächste Episode einsetzen wird und so verspreche ich dem Arzt, mir die Möglichkeit einer Operation zu überlegen. Leider geht dann alles viel schneller als erwartet – bereits drei Wochen später plagt Merlin die nächste Obstipation und ein erneuter Gang in die Klinik ist unausweichlich. Inzwischen ist es Mai und meine Auswanderung nach Amerika damit nur noch gute vier Monate entfernt. Sollte Merlin bis oder genau während dieser Zeit eine Verstopfungsepisode plagen, würde ich nicht ausreisen können. Ich muss also eine Entscheidung treffen. Und zwar rasch. Damit Merlin im Falle einer Operation genügend Zeit zum Erholen hat. Ich gebe mir eine Woche.

A decision has to be found

Es folgt die zu Anfang erwähnte Woche des Horrors. Während Merlin sich von der erneuten Darmentleerung erholt und rasch wieder fit wie ein Turnschuh durch die Gegend rennt, versuche ich, mir ein Leben ohne ihn vorzustellen. Oder mit ihm und möglichen Komplikationen nach der Operation. In der Hoffnung, etwas Klarheit zu erlangen, zähle ich mir die Vor- und Nachteile einer Operation auf:
Positiv: 1. Wenn alles gut geht, kann Merlin ein ganz normales Katzenleben geniessen. 2. Die Voraussetzungen dafür, dass alles problemlos verläuft, sind gut. 3. Läuft alles gut, wird Merlin im September reisetauglich sein. 4. Wenn alles gut geht, kann Merlin ein ganz normales Katzenleben geniessen… Diese Tatsache wiegt für mich etliche Male.
Negativ: 1. Hohe Kosten – CHF 1’800-2’500, je nach dem ob alles problemlos verläuft oder Komplikationen auftreten. 2. Mögliche auftauchende Probleme wie bleibender, durchfallähnlicher Kotabsatz; Reissen des vernähten Darmes mit folgender Bauchhöhlenentzündung die zum Tod führt; oder ganz einfach Tod während der Operation infolge Überbelastung des kleinen Katzenkörpers.
Nebst all diesen Fakten versuche mir darüber klar zu werden, ob eine Operation für über CHF 1’000 ein Haustier zu sehr vermenschlicht. Diese Frage kann ich mir bis heute nicht beantworten. Jedenfalls mache ich mir die Entscheidung nicht einfach, eine geschlagene Woche ändere ich meine Meinung täglich, nein, gar stündlich. Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, so viel Geld in eine Katze zu “investieren”? Alles was ich weiss ist, ich kann es mir leisten, ich könnte das Geld bestimmt dümmer ausgeben und die Chancen stehen nach Aussage des Fachmanns gut. Doch ich habe auch Angst davor, dass Merlin den Rest seines Lebens mit Durchfall geplagt sein könnte. Angst vor seinem Tod während der Operation habe ich keine, denn ohne Operation, so scheint mir, wird er diese Krankheit ohnehin nicht auf lange Zeit überleben.

Mir wird klar, dass ich zur Entscheidungsfindung mehr Erfahrungsberichte und Durchschnittswerte benötige. So setze ich mich Abend für Abend an den Laptop und surfe was das Zeug hält. Doch leider ziemlich erfolglos. Zwar kann ich viele Seiten über die eigentliche Operation finden, doch an Erfahrungsberichten fehlt es praktisch gänzlich. Die wenigen Leute, welche die OP haben machen lassen und darüber berichten, sind meist in Foren anzutreffen – auf der Suche nach Hilfe infolge von Komplikationen nach dem Eingriff. Und drei der vier so aufgefundenen Patienten sind gestorben. Das ist deprimierend. Meine Hoffnungen sind auf einem Tiefpunkt angelangt. Ich bin definitiv nicht bereit, so viel Geld auszugeben, wenn mein Tier danach trotzdem stirbt. So entscheide ich mich, nochmals bei meinem Tierarzt in der Klinik nachzufragen – aufgrund der Ausführungen des Docs muss der Eingriff dort schon einige Male durchgeführt worden und somit ein gewisser Erfahrungswert vorhanden sein.

Empirical values

Auf meine erste, generelle Frage betreffend die Entwicklung der Tiere nach der Operation antwortet mir der Veterinär, dass «die Prognose generell gut ist» und er voll zu diesem Eingriff stehen kann. Abgesehen davon gäbe es kaum eine andere Möglichkeit.
Natürlich will ich wissen, wie viele der kleinen Patienten aufgrund des Eingriffs gestorben waren. Und hier folgt eine der für mich entscheidenden Antworten: «In den letzten 10 Jahren kann ich mich an 2 erinnern, die eine eitrige Peritonitis (Bauchfellentzündung) entwickelten, weil die Kolonwand nicht gehalten hatte. Aus sicherlich 30 operierten Patienten ein überschaubares Risiko.»
Und als nächstes wird mir bestätigt, dass keiner der operierten, überlebenden Patienten bleibende Probleme hatte!
Die durchschnittliche Rekonvaleszenz wird auf 14 Tage geschätzt, dies bedeutet allerdings lediglich, dass es bis zu 14 Tage dauern kann, bis die Kotqualität wieder fast normal ist. Direkt nach der Operation wird das Tier 2-3 Tage zur Überwachung in der Klinik behalten (was sich eben auch auf die Kosten des Eingriffs niederschlägt).

The decision and operation

Mit all diesen Tatsachen und Erfahrungsberichten auf das Wochenende hin ausgerüstet, ziehe ich mich zurück und treffe schliesslich meine Entscheidung: Ich “leiste” meinem Kater die Operation. Gleich am Montagmorgen informiere ich den Vet, der sich äusserst erfreut über meine Entscheidung zeigt. Er ist überzeugt, dass alles gut kommt, er hat vollstes Vertrauen in den Chirurgen vor Ort und meint, es wäre zu traurig gewesen, den ansonsten so munteren und fitten Tiger einschläfern zu lassen wegen eines Problems, das höchstwahrscheinlich folgenlos behandelt werden kann.
Auch das Timing scheint ideal – ich informiere den Arzt, dass Merlin wohl schon wieder Probleme mit der Verdauung hat. Der Doc lässt mich wissen, dass gleich am nächsten Tag ein Slot im Kalender des Chirurgen frei sei, was ideal wäre, denn ein einigermassen gefüllter Darm wäre vorteilig für die Durchführung der OP – ich sage entsprechend umgehend zu.

Es folgt ein letzter verschmuster Abend mit Merlin und versichere ihm, dass ich bei ihm bin, egal was passiert. Er scheint mir voll und ganz zu vertrauen, ist ruhig und entspannt. Und so liefere ich ihn anderntags in der Klinik ab. Die folgenden Stunden versuche ich mich irgendwie abzulenken, was mir nur teilweise gelingt. Irgendwann setze ich mich hin und schmuse mit Oskar, meinem anderen Kater, der jetzt auch viel Aufmerksamkeit benötigt, wo doch die letzten Tage alles auf den Kollegen fokussiert gewesen ist. Und dann klingelt das Telefon. Es ist die Klinik – ich erfahre, dass die Operation problemlos verlaufen und Merlin am aufwachen ist! Natürlich wäre ich am liebsten gleich auf einen Besuch vorbei gegangen, doch man bittet mich, dies auf den nächsten Tag zu verschieben, um sowohl ihm wie auch mir zusätzlichen Stress zu ersparen.

Post-operative care

Merlin at the clinic - pretty doped up
Merlin at the clinic – pretty doped up

Am nächsten Tag verstehe ich, was mit dem “zusätzlichen Stress” gemeint war: Merlin liegt groggy und mit weit aufgerissenen Pupillen in seinem Krankenkäfig, ein Infusionsschlauch hängt aus seiner verbundenen Vorderpfote. Um die Narbe am Bauch zu schützen wurde ihm ein Body übergezogen, welches er verzweifelt abzuschütteln versucht. Er ist ein kläglicher Anblick und mir zieht sich der Brustkasten zusammen. Trotzdem bin ich überglücklich, denn trotz der Schmerzmittel scheint er munter zu sein, er nimmt seine Umgebung wahr und erkennt mich. Ich bin guten Mutes.

Natürlich besuche ich ihn auch am zweiten Tag nach der OP, einem Donnerstag. Die Assistentin lässt mich wissen, dass ich ihn wohl am nächsten Tag abholen kann, so gut wie er sich erhole. Ich bin überwältigt. Und so erscheine ich am Freitag pünktlich um meinen bekleideten Tiger in Empfang zu nehmen. Ich kriege noch eine Handvoll Schmerzmittel gereicht und schon sind wir unterwegs nach Hause.

Daheim habe ich alles für seine Ankunft vorbereitet: Das Katzenklo mit Einsteighilfe, ein Schlafplätzchen am Boden, damit er mit seinem geschundenen Bauch nicht auf Möbel raufhüpfen muss, Feuchttücher, um seinen Hintern zu reinigen bevor er sich wieder hinsetzt, Wasser und Futter, alles in einem Raum. So stelle ich sicher, dass sein Kumpel Oskar weiterhin ungestört durch die Katzentür rein und raus kann, Merlin aber nicht plötzlich abhaut.

Recovering from Operation

Zu meinem grossen Erstaunen bekundet Merlin weder Probleme beim Besteigen von Möbeln noch beim Erklettern des Katzenklos. Er besteht auch darauf, dass er bei mir auf dem Bett liegen kann wie sonst immer. Auf dem extra hergerichteten Nestchen am Boden ist er rastlos und ganz offensichtlich unzufrieden. Einmal neben mir, fällt er aber sofort in einen tiefen Schlaf, die Narkose fordert ihren Zoll. Auch die Schmerzmittel machen ihn recht groggy und wenn er wach ist, tappst er einigermassen belämmert umher.

Wie vom Tierarzt empfohlen, beobachte ich Merlin die ersten 24 Stunden intensiv. Ich sehe auch des Nachts alle 2 Stunden nach ihm. Er ist friedlich am Schlafen oder ein wenig am Fressen oder Trinken. Schon bald einmal besucht er zum ersten Mal das Katzenklo, der Stuhl ist wie erwartet flüssig.

Fighting the stupid body
Fighting the stupid body

Am nächsten Tag, dem Samstag, kann ich schon etwas mehr Aktivität feststellen: Merlin versucht sich zu putzen, was aber nur an den Pfoten und am Kopf möglich ist, weil alles andere vom Body verdeckt ist. Das ärgert ihn sichtlich und er zerrt und zieht am Stoff, robbt sich über das Bett, um das doofe Kleidungsteil loszuwerden. Irgendwann erbarme ich mich seiner und erlöse ihn von dem Teil, vor allem um es kurz auszuwaschen. Ich behalte dabei ständig ein Auge auf Merlin um sicherzustellen, dass er nicht die Wunde leckt oder gar an den Fäden zieht. Um dies zu vermeiden hatte der Tierarzt mir empfohlen, das Body fünf Tage lang nicht zu entfernen. Doch Merlin ist absolut brav, als wüsste er, was gut für ihn ist. In der Tat zeigt er sich dermassen erquickt von der Befreiung aus seinem textilen Gefängnis, dass ich überzeugt bin, ihm mit dieser gesteigerten Lebensqualität eine raschere Heilung ermöglichen zu können. Und es scheint sich zu meiner masslosen Verblüffung zu bewahrheiten: Bereits am späteren Samstagnachmittag setzt Merlin zwei zwar weiche, aber doch eindeutig als solche erkennbare „Würstchen“ ab. Und am Sonntag hat die Konsistenz eine annähernd normale Qualität angenommen – es scheint mir wie ein Wunder. Von diesem Erfolg bestätigt, gönne ich Merlin dann auch die folgenden Tage jeweils eine Stunde Body-Freiheit und er freute sich immer unglaublich über seine Zeit als Nackedei J Sobald er das Body wieder trägt, bewegte er sich äusserst staksig, was wohl daran liegt, dass er es einfach nicht gewohnt ist, „angezogen“ zu sein.

Got it!
Catch the mousie

So verbringen wir die ersten drei Tage zusammen, er mit viel schlafen während ich lese, esse, telefoniere, fernsehe, alles direkt neben ihm, um sicherzustellen, dass es ihm auch gut geht. Nach drei Tagen aber ist die Verwandlung komplett: Es ist Dienstagmorgen, eine Woche ist seit dem Eingriff vergangen – und Merlin rennt mir um die Ohren. Er ist voller Energie, will spielen und möchte das Zimmer verlassen. Also gebe ich ihm den Rest der Wohnung zurück. Er flitzt umher und weil ich ab sofort Oskar persönlich vor die Tür und wieder reinlassen muss, findet Merlin das höchst interessant und möchte natürlich auch raus. Er ist dermassen aktiv, dass ich am Mittwoch verzweifelt in der Klinik anrufe und frage, ob die Fäden früher gezogen werden können. Doch nichts da, sehr geduldig aber bestimmt erklärt mir die Assistentin, dass ich bis Freitag warten muss, 10 Tage müssen die Fäden mindestens drin sein.

Natürlich schaffen wir auch die letzten zwei Tage noch, jedoch nicht ohne in einen Stubenkoller zu verfallen. Wir pressen unsere Nasen am Fenster platt, während die anderen draussen fröhlich spielen, resp. joggen. Uns bleibt währenddessen immerhin die Möglichkeit, die Frühlingssonne auf dem Balkon zu geniessen.

Stitch removal and happy ending

Hoffnungsvoll machen wir uns am Freitag auf zum Kontrollbesuch und – hoffentlich – Fäden ziehen in der Klinik. Als ich der diensthabenden Ärztin Merlins superb verheilten Bauch präsentiere, ist sie sprachlos – dass die Narbe innert so kurzer Zeit dermassen gut verheilt ist, scheint ihr unglaublich. Sie ist so erfreut über das Resultat, dass wir nicht einmal mehr zur Nachuntersuchung kommen müssen. Was für ein Statement!

First day back out in the jungle
First day back out in the jungle

Als wäre es gestern gewesen erinnere ich mich an jenen sonnigen Freitag Anfang Juni 2013. Merlin und ich fahren – er von den Fäden, ich von einer riesigen Last befreit – heimwärts, wo ich ihn in der Wohnung aus seinem Transportkäfig lasse, die Wohnungstür für ihn öffne und mit ihm zusammen nach draussen spaziere. Ich beobachte ihn, wie er sein neues Leben beginnt: Er beschnüffelt Steine und Äste, wälzt sich im hohen Gras, durchforstet langsam die Wiese, alles immer von kleinen Blicken in meine Richtung und Freudensprüngen begleitet – in diesem Moment ist er der glücklichste Kater auf der ganzen Welt! Und ich die glücklichste Katzenbesitzerin!

Acht Monate später kann ich sagen, dass es Merlin blendend geht. Auch die Reise nach Amerika hat er – nicht ganz ohne last-minute-Aufregung wegen eines Abszesses zwei Tage vor dem Abflug – wunderbar überstanden und ist zu einem stolzen Texaner herangewachsen. Für meinen Teil kann ich voller Überzeugung sagen, die Operation durchführen zu lassen, war die beste Entscheidung ever – weil ich es mir leisten konnte.

Merlin in Texas 2013
Merlin in Texas 2013
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