Firing Squad or Guillotine?

I usually follow the news by means of radio. Or sometimes I read online newspapers. (Für Deutsch hier klicken) Mostly though I listen to the radio. This can either be in the morning listening to Swiss Radio DRS3 or in the car to NPR, the National Public Radio, which is the radio DRS1 of the U.S., so to speak. And if NPR hasn’t been commenting on the seemingly never ending war in Syria or the horrific plane crash in the French Alps lately, then one of the next big topics was the lethal injection. Or not. Instead, there was talk of firing squads and electric chairs. More “humane” killing methods such as the guillotine only seem to make news in Europe.1

There, in Europe, it’s a well-known fact that the European Union has issued an embargo on supplies of certain medical products which are used for lethal injection in the United States.2 That was three years ago. The EU embargo is based on the Union’s rejection of the death penalty under any circumstances and therefore seeks universal abolition of the death penalty. Unfortunately, the EU reckoned without the Americans: The death penalty is still allowed in 32 of the 50 states and lethal injection is the usual method of execution. Or let’s say: Maybe it was. As a result of the European “poison delivery embargo” and the refusal of several, including American, pharmaceutical companies – due to human rights concerns and public outcry – to provide the medicinal ingredients to enforce the death penalty has resulted in a new type of emergency situation: A shortage of usable ingredients. In particular, the anesthetic phenobarbital is hard to come by legally these days announces the press. Which has led to experimental poison mixing in the back rooms of the death chambers and, as it seems, correspondingly lengthy executions. Some death-row inmates had to wrestle death for several hours and in one case the execution even had to be aborted and repeated at some later point.

But to the dismay of all death penalty opponents now not the fundamental debate about the death penalty itself, but a debate about alternative methods of execution dominates the media. Senators of the State of Tennessee voted already in April last year for the reintroduction of the electric chair. And recently, Utah has introduced the firing squad again. Not necessarily what the EU and its citizens were hoping to achieve with the embargo.

Being Swiss, the concept of the death penalty is as foreign to me as are war and famine – I luckily only know them by hearsay. But now that I’m a resident of Texas and thus live in a State that practices the death penalty, I feel compelled to occupy my mind with the topic a little more. That’s why some months ago I’ve taken to heart a documentary on the subject which really touched me. The documentary showed the view from both the side of the perpetrators and their families, as well as the victims’ families and friends. To me it seems difficult to justify the death penalty. A State that kills its own countrymen and views it as morally justified seems quite ambiguous to me in this day and age. But then I have to admit that my perspective is one-sided, for luckily I’ve never lost a loved one in a cruel manner. But I think what I’ve learned from the documentary is though the death penalty can indeed bring a certain satisfaction or some closure to the families of the victims, it was never able to free their troubled souls entirely.

It’s a very difficult subject with which I will certainly be confronted many a time in the future. And even though I don’t have a say here I still see it as my duty to involve myself with the views of my new home State. It will undoubtedly be quite agitative and ambiguous to follow the next steps in this chapter of world’s history: Both here in the U.S. and in Europe.

2The lethal injection consists of three components. It kills the person by first putting the person to sleep, and then stopping the breathing and heart, in that order.

Resources & Sources


ERSCHIESSUNGSKOMMANDO ODER GUILLOTINE?

Nachrichten kriege ich meistens über Radio mit. Oder zwischendurch mal durch online Zeitung lesen. Meistens aber schon über Radio. Das kann des morgens entweder mittels Schweizer Radio DRS3 oder aber im Auto via NPR, National Public Radio, also quasi das Radio DRS1 der USA, geschehen. Und wenn eben auf diesem NPR Sender nicht gerade vom sich schon ewig hinziehenden Krieg in Syrien oder dem schrecklichen Flugzeugabsturz in den französischen Alpen die Rede war, so wurde die letzten Tage und Wochen viel über die Todes- oder Giftspritze gesprochen. Oder eben nicht. Stattdessen ging es dann eher ums Erschiessungskommando oder den elektrischen Stuhl. So scheinbar humane Sachen wie die Guillotine kommen nur bei den Europäern mit in die Berichterstattung.1

In Europa ist es ja hinlänglich bekannt, dass die Europäische Union ein Embargo gegen Lieferungen bestimmter medizinischer Produkte, welche zum Vollzug der Todesstrafe eingesetzt werden, in die USA ausgesprochen hat.2 Das geschah bereits vor gut drei Jahren. Die EU basiert dieses Embargo auf der Ablehnung der Todesstrafe unter allen Umständen und strebt damit die weltweite Abschaffung der Todesstrafe an. Leider hat die EU die Rechnung ohne die Amerikaner gemacht: Nach wie vor ist in 32 der 50 Bundesstaaten die Todesstrafe erlaubt. Die Giftspritze ist die übliche Hinrichtungsmethode. Oder sagen wir: Vielleicht war sie das. Aufgrund des Europäischen „Giftlieferungs-Embargos“ und der Weigerung etlicher, auch amerikanischer, Pharmafirmen – diese äussern Bedenken im Bezug auf die Menschenrechte und beugen sich der gesellschaftlichen Ablehnung der Todesstrafe3 – die medizinischen Inhaltsstoffe für den Vollzug der Todesstrafen zur Verfügung zu stellen, hat sich eine neue Art von Notfallsituation eingestellt: Es herrscht Mangel an brauchbaren Zutaten. Vor allem das Betäubungsmittel Pentobarbital sei kaum noch legal auf dem Mark erhältlich, verkündet die Presse. Was zu experimentellem Giftmischen in den Hinterzimmern der Todeskammern und entsprechend langwierigen Hinrichtungen geführt hat. Mehrere Stunden mussten die Todeskandidaten teilweise mit dem Tod ringen, in einem Fall wurde die Hinrichtung gar abgebrochen und wiederholt.

Doch zum Entsetzen aller Gegner der Todesstrafe bestimmt nun nicht die Grundsatzdiskussion um die Todesstrafe an sich, sondern eine Debatte um alternative Hinrichtungsmethoden die Medien. Senatoren des Bundesstaates Tennessee hatten bereits im April vergangenen Jahres für die Wiedereinführung des elektrischen Stuhls gestimmt. Und vor kurzem hat Utah also das Erschiessungskommando wieder eingeführt. Nicht unbedingt, was die EU und ihre Bürger sich vom Embargo erhofft hatten.

Als Schweizerin ist mir das Konzept der Todesstrafe so fremd wie Krieg und Hungersnot – ich kenne sie nur vom Hörensagen. Doch nun, da ich eine Einwohnerin von Texas bin und somit in einem Staat lebe, der die Todesstrafe nach wie vor praktiziert, sehe ich mich gezwungen, mich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen. Darum habe ich mir vor einigen Monaten auch eine Dokumentation zu diesem Thema zu Gemüte gezogen, die mich doch sehr berührt hat. Die Doku zeigt die Sicht sowohl von der Seite der Täter und deren Familien, wie auch der Familien und Freunde der Opfer. Mir scheint es schwierig, die Todesstrafe zu rechtfertigen. Ein Staat der seine Landsleute umbringt und das für moralisch gerechtfertigt hält erscheint mir in der heutigen Zeit äusserst zwiespältig. Doch dann muss ich sagen, dass mein Blickwinkel einseitig ist, habe ich doch glücklicherweise nie einen geliebten Menschen auf grausame Weise verloren. Aber ich glaube auch aus der Dokumentation gelernt zu haben, dass die Todesstrafe zwar eine gewisse Befriedigung oder einen Abschluss für die Angehörigen der Opfer bringen kann, jedoch niemals eine Befreiung der geplagten Seelen erlangt.

Es ist ein sehr schwieriges Thema, mit dem ich sicherlich noch des Öfteren konfrontiert werde. Und auch wenn ich selber hier nicht mitbestimmen kann, so sehe ich es doch als meine Pflicht, mich mit den Ansichten meines neuen Heimatstaates auseinanderzusetzen. Es wird zweifellos aufrührend und zwiespältig sein mitzuverfolgen, was nun diesbezüglich weiter geschieht: Sowohl hier in den Staaten, wie auch in Europa.

2 Beim Inhalt der Giftspritze handelt es sich um drei Komponenten, wovon die erste den Todeskandidaten betäubt, die zweite den Atem und die Dritte den Herzschlag stoppt.

Ressourcen & Quellen

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