My daily reading

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Pennybacker Bridge
Pennybacker Bridge

Kurz nach unserem Einzug in Austin habe ich eine Regionalzeitung aus dem Briefkasten gefischt. Als interessierte Bürgerin vergrub ich natürlich umgehend meine Nase darin. Es war weniger schlimm als erwartet: Zwar prangten wie befürchtet auf jeder zweiten Seite irgendwelche Reklamen, vorwiegend für Schönheitsbehandlungen jeglicher Art, doch ich fand auch einige vielversprechende Informationen. Beispielsweise zum, wie ich ihn nenne, „Austin Coathanger“, der Stahlbrücke die so viele Bilder von Austin ziert. Offiziell heisst sie «Pennybacker Bridge», nach dem Brückenbauer Percy Pennybacker, der anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts für das Texas Highway Department Brücken entworfen hat. Allgemein ist das Stahlgebilde aber ganz einfach als die „360 Brücke“ bekannt, weil sie den Highway 360 über den Austin Lake führt.

„Austin Lake“ ist auch so eine Sache. Sieht überhaupt nicht aus wie ein See, weil nicht natürlich vorkommend, sondern künstlich hergestellt. Auch hier, wie beim Lake Travis, handelt es sich entsprechend um einen Stausee. Anstelle eines wie in San Antonio von Menschenhand angelegten Kanals zur Erquickung der Bevölkerung und Touristen, wurde hier eine see-artige Wassermasse kreiert, die zum Kanufahren, Stand-up-paddeln und Schwimmen einlädt. Es ist eine wunderbare Umgebung, vor allem für ein Volk, das mehrheitlich sehr bewusst mit Wasser umgehen muss, weil das Land immer wieder mit monatelangen Trockenperioden zu kämpfen hat.

Lake Travis Dam
Lake Travis Dam

Lake Travis, der westlich von Austin liegt und sich über etliche Meilen wie eine fette Schlange durch die Landschaft zieht, wird entsprechend nicht nur zur Erholung genutzt, sondern dient vor allem dem Hochwasserschutz, als Wasserversorgung und zur Erzeugung von Strom. Die wunderbaren Aussichten sind da einfach ein Zückerli obendrauf. Momentan allerdings ist der Level von Lake Travis auf dem dritt-tiefsten Stand aller Zeiten. Das bedeutet, viele Boote sitzen auf dem Trockenen und etliche Seitenarme des Sees sind zu kargen Wiesen oder felsigen Steppen verkommen. Häuser, die mit Wasseranstoss am See gebaut wurden, stehen nun etwas verloren inmitten einer sandigen Wüste. Aktuell wird der Stand des Sees mit 37% des „normalen“ Wasserlevels angegeben, womit wir uns in Phase 2 der Wasserregulierung befinden. Dies bedeutet unter anderem nur einmal wöchentlich Bewässern von Rasen und Garten, kein privates Waschen von Autos (d.h. du musst durch die Waschanlage), keine Zierbrunnen, welche über 10 cm hohe Fontänen produzieren und die Zeiten für den Gebrauch von sogenannten „patio misters“, den Leitungen, die an super-heissen Tagen die Köpfe der geplagten Leute im Restaurant oder in Vergnügungsparks berieseln, werden beschränkt. In Kürze wird wohl Phase 3 eingeleitet und ich hatte schon halb damit gerechnet, dass sämtliche Pools geleert und Golfplätze geschlossen werden müssen. Immerhin geht es hier um die Wasserversorgung von Mensch und Tier. Doch nichts dergleichen. In der nächsten und zweitletzten Phase werden lediglich die Zeiten für die Verwendung von Wasser für die oben genannten Einschränkungen noch weiter beschränkt. Nun gut, wir sind hier in Texas und du kannst keinem vorschreiben, wie er sein Leben zu leben hat. Immerhin ist die persönliche Freiheit eines der wichtigsten Rechte in den Staaten. Und dafür bewundern wir sie.

Trotzdem, wenden wir uns etwas erfreulicheren Themen aus der Zeitung zu. Da war zum Beispiel die Rede einer Velobrücke entlang des Highways, an dem wir leben. Das ist nicht nur darum eine prima Sache, weil ich Velo fahren liebe, sondern weil wir schon einige Male Velofahrer auf dem Highway gesehen haben. Mr. Rusu schüttelt dann immer den Kopf und meint, so was habe es in der Schweiz nie gegeben. Ich konnte ihn aber trösten, denn auch wenn ich in der Schweiz selbst nie einen Fahrradfahrer auf der Autobahn erspäht habe, so fesselten mich ich doch etliche Male entsprechende Berichte im Radio.

The Schnurr Ladies
The Schnurr Ladies

Was mich beim Durchstöbern der Lokalzeitung aber am meisten fasziniert hat, sind die vielen lustigen und auch Deutsch-stämmigen Namen. So heisst denn die Ratsvorsitzende des benachbarten Bezirks Bee Cave (ja, heisst wirklich so) Frau Auslander. Zelda Auslander. Oder dann hat gerade die Schmidt Family ihr neustes Bar-B-Q Lokal eröffnet. Seit 75 Jahren sind die Schmidtens im Geschäft mit Rippchen, Würsten und sonstigen Leckereien vom Grill. Des Weiteren hat ein Ehepaar, Chris und Kristie, ja wirklich, einen «Vom Fass» Laden aufgemacht. Kennen wir doch, oder? Und zum Schluss noch meine absolute Lieblingsfamilie: Die Schnurrs. Genau, wie in Katze. Diane, ihr Ehemann Steve und Tochter Ericka betreiben gemeinsam einen Laden, in welchem sie restaurierte Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände verkaufen. „Vintage furniture“ nennt sich das dann. Trotzdem bleibt für mich das Faszinierendste an der Geschichte – äxgüsi Frau Büsi, sozusagen –der Familienname.

Kebab, Berlin-inspired
Kebab, Berlin-inspired

Nach Abschluss meiner Zeitungs-Schnöigg-Tour war ich richtig hungrig. Muss an der Schleichwerbung liegen. Und hier höre und staune man: Es wurde nicht etwa ein öder Burger oder was vom Bar-B-Q Grill angepriesen, nein, ein „Berlin inspirierter Kebab“ stand auf dem Programm. Zufälligerweise „mussten“ wir gleich anderntags einen Abstecher in den entsprechenden Laden machen. Eigentlich wollten wir Pho Suppe schlürfen gehen, doch leider hatte der Vietnamese geschlossen. Und welcher Laden befand sich direkt neben dem Asiaten? Klar, der Döner Schuppen. Ich muss sagen, hätte ich nicht wegen einer akuten Hungerattacke sämtliche Zutaten in den Döner stopfen lassen – das beinhaltete auch Jalpeño Peppers und eine Gemüsefrikadelle – wäre er sehr nah ans Original herangekommen. Jedenfalls genossen wir eine leckere Mahlzeit, die erst noch den ganzen Tag anhielt. Und ich spreche hier nicht nur vom Atem.

Shortly after our move to Austin I fished a regional newspaper out of our mailbox. As an interested citizen I immediately buried my nose in it. And it wasn’t as bad as I had expected: Besides – as feared –advertisements jumping into my face from every other page, mainly for beauty treatments of all sorts, I was also able to find some promising information. For example in relation to the steel bridge, “Austin Coathanger” as I like to call it, that graces so many photos of Austin. Officially called «Pennybacker Bridge», after the bridge builder Percy Pennybacker who designed bridges for the Texas Highway Department at the beginning of the twentieth century. In general, the steel structure is simply known as the “360 bridge” as it connects Highway 360 to the two shores of Lake Austin.

“Lake Austin” is one of the things that keep dazzling me. It does not look like a lake to me, since it is not naturally occurring but produced artificially. Again, as with Lake Travis, Lake Austin is a reservoir. Instead of creating a man-made canal for the entertainment of the population and tourists  as they did down in San Antonio, here in Austin they created a lake-like water mass which invites people to canoe, stand-up-paddle and swim. It truly is a wonderful environment, especially for a people who have to handle water in a very conscious way since the region struggles repeatedly with months-long dry periods.

Lake Travis, located west of Austin, winds its way through the landscape like a fat snake for several miles. It is not only used for recreation, but primarily serves as flood control, water supply and to generate electricity. The beautiful views only come as an extra on top of all that. At the moment, though, the water level of Lake Travis has reached the third-lowest level ever. This means that many boats sit on dry land and several side arms of the lake have degenerated into barren grassland or rocky steppes. Homes which used to be lake-front houses now sit somewhat lost in the middle of a sandy desert. Currently, the lake level is supposed to be at 37% of the “normal” water level which puts Austin and the surrounding area into phase 2 of the water regulation program. This means watering of lawns is limited to one day per week, no washing of cars except at a vehicle washing facility, no operation of ornamental fountains with an areal spray of water of more than 10 cm and patio misters at commercial facilities can only be operated at certain hours. My guess is that we shortly enter phase 3 and I half expected that no more private pools or public golf courses can be operated anymore. We’re talking about the water supply of man and beast after all. But nothing of the sort. In the next and penultimate phase, only the times for the use of water for the above-mentioned limitations are being limited even more. Well, we’re in Texas and no one can dictate how one has to live his or her life around here. After all, personal freedom is one of the most important rights in the States. And that’s what we admire them for, isn’t it?

Nevertheless, let’s turn to something more pleasant I found in the newspaper. For example, there was talk of a new bicycle bridge being built along the highway close to where we live. That is not only a great thing because I love to ride a bike but also because we have seen cyclists on the highway a few times already. Mr. Rusu keeps shaking his head at this, mentioning that things like this wouldn’t happen in Switzerland. Which is not quite true; though I’ve never personally spotted a cyclist on the motorway in Switzerland, I was repeatedly intrigued by according reports on the radio.

Now what fascinated me most while browsing the local newspaper are the many funny and also German-born names. Thus the councilwoman of Bee Cave (yes, it’s really called Bee Cave) is named Mrs. Auslander. Zelda Auslander. Or the Schmidt family just opened their latest Bar-B-Q restaurant. For 75 years the Schmidt’s have been in business with ribs, sausages and other grilled delicacies. Furthermore, a married couple, Chris and Kristie, yes indeed, recently opened up a «Vom Fass» store. We know that one, don’t we? And finally, my absolute favorite family: The Schnurr’s. Exactly, just as in “cat”. Diane, her husband Steve and daughter Ericka jointly operate a shop in which they sell restored furniture and other home furnishings. That’s called “vintage furniture”. Nevertheless, to me the last name of family Schnurr remains the most fascinating fact in this story.

The ransacking of the local newspaper left me flat out starving. Must be owing to the surreptitious advertising. Lo and behold: Not a dull burger or something from a Bar-B-Q grill was touted, no, a “Berlin inspired Kebab” was on. Coincidentally, we “had to” take a trip to exactly one of these Kebab houses. The initial plan was to slurp up some Pho soup but unfortunately, the Vietnamese was closed. And which restaurant was located right next to the Asian guys? Sure, the Kebab shed. I have to admit, hadn’t I, due to an acute hunger pang, stuffed my Doener with every single ingredient available – which includes Jalapeño peppers and a veggie patty – it would have come very close to the original thing. Anyway, we enjoyed a delicious meal that even persisted for the entire day. And I’m not only talking about breath here.

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