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Everything happening at home; the standard category

And again: What a difference it makes!

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Nachdem ihr euch die letzten drei Blog-Beiträge lang mein Genöle zum Thema Umzug „anlesen“ musstet, will ich mich ab heute wieder den kleinen Alltäglichkeiten des Lebens widmen. Den feinen aber nicht zu unterschätzenden Unterschieden zwischen dem Land der wahrlich unbegrenzten Möglichkeiten und der Schweiz. Die Züglete ist also abgeschlossen. Allerdings nicht ohne eine letzte Aufregung, die vor allem mir, der Frau ohne Geduldsfaden für elektronische Geräte, wieder den letzten Nerv zu rauben drohte. Die mit Mikrochip-Sensoren versehene Katzentür verweigerte uns schrittchenweise nach dem Umzug ihren Dienst. Erst fiel das Display aus, also wechselten wir die Batterien. Und seit gestern hängt sie sich im gewählten Modus einfach auf – nichts geht mehr. Ich hatte schon befürchtet, dass beim Umzug das viele rauf und runter, hin und her, den Schaden ausgelöst hatte. Doch nach einem Anruf beim Customer Service wurde mir bestätigt, dass dies leider keine Seltenheit bei unserer Modellreihe sei, es handle sich um einen Produktionsfehler im Batteriefach. Ohne irgendwelche Diskussionen bestätigte mir die Dame, dass sie uns umgehend einen Ersatz senden. Und natürlich entschuldigte sie sich tausendmal für die entstandenen Umstände. Wie üblich, wenn man sich hier beschwert.

Microchip Pet Door

Das ist eine Sache, die mir hier extrem auffällt: Der Kundenservice ist wirklich uuunglaublich. Egal ob im Einkaufsladen, Restaurant oder telefonisch bei der Bank – oder eben dem Katzentür-Hersteller. Damit will ich nicht sagen, dass die Amerikaner einen besseren Service per se bieten als die Schweizer. Aber sie tun es sooooo viel freundlicher. Da wird keiner ungehalten, selbst wenn dem Kunden sichtlich oder hörbar bald der Kragen platzt. Ich glaube, sämtliche Helpline Mitarbeiter werden hier verpflichtet, an einem „Engelsgeduld-Seminar“ teilzunehmen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Auf mich hat das die gewünschte Wirkung: Ich fühle mich ernst genommen und verstanden. Happy Place. Das tut gut, vor allem wenn man weiss, wie ungeduldig ich eben mit nicht funktionierenden elektronischen Geräten werden kann. Mein liebender Ehemann ist immer wieder erstaunt, wie ich für Menschen und Tiere eine unendliche Geduld, für Maschinen, die nicht sofort tun, was ich von ihnen erwarte, jedoch keine Minute Verständnis haben kann. Entsprechend war ich beim Versuch, die Katzentür wieder richtig in Gang zu setzen bereits nach drei Minuten soweit, das Ding in Stücke zu hauen. Zum Glück war mein Maschinen-geduldiger Ehemann zur Stelle und meinte, eine zersplitterte Katzentür mache sich nicht so gut bei einer Garantieanfrage.

Nebst der Kundenfreundlichkeit hat mich dieser Tage eine Shampoo-Frage zum Ausspruch „OMG, what a difference it makes!!“ veranlasst. Wegen meiner haarsträubenden Haarfarb-Eskapaden musste ich meiner Haarpracht immer viel Pflege und Feuchtigkeit zukommen lassen. Nachdem ich mich durch sämtliche Migros und Coop Produkte probiert hatte, empfahl mir meine Friseuse in der Schweiz, im Fachgeschäft die speziell pflegende Linie von Redken zu kaufen. Die Flasche kostete mich gut CHF 30. Und wohlgemerkt, es gibt Shampoo, Conditioner und danach zwecks einfacherer Kämmbarkeit noch eine Schmiere aus einer Pumpflasche dazu. Zugegeben, alles reichte immer so 4-5 Monate, trotzdem schien mir der Preis für die Produkte immer horrend. Als ich dann bei meinem Besuch im Juni letzten Jahres im HEB, einem stinknormalen Einkaufsladen, das Regal mit Haarpflegeprodukten durchkämmte, traf mich fast der Schlag: Die Redken Produkte waren gleich dort erhältlich, für lächerliche $15.

Seit meiner Ankunft sind nun fast 6 Monate vergangen und ich musste entsprechend Nachschub für meine Haarpflege besorgen. Ich liess also meine Augen über die grosszügige Auswahl schweifen und blieb bei Paul Mitchell hängen. Hatte nicht meine liebe Freundin, Frau Weizenunverträglichkeit, mal erzählt, dass sie auf Paul Mitchell schwört? Und ihr Haare sehen immer schön geschmeidig und weich aus. Und hei, die Flasche lächerliche $ 12. Was soll’s, dachte ich mir also und Shampoo und Conditioner waren gekauft. Und oh Wunder, was für ein Unterschied – noch nie hatte ich dermassen weiche und leicht kämmbare Haare. Selbst ohne spezielle Kämm-Schmiere auf das handtuchtrockene Haar zu verteilen. Es scheint mir magisch, wie der Kamm nun durch meine Haare gleitet. Und meine – oder sagen wir des lieben Ehemanns – Brieftasche freut sich erst auch noch!! What a difference it makes indeed… Schön, wenn man sich ob solcher Kleinigkeiten freuen kann, oder?!

After you had to put up with my whining about moving over the last three blog entries, I decided to devote myself and my writing to the little everyday things of life again. The fine, but not to be underestimated, differences between the land of the truly unlimited possibilities and Switzerland. Our move is thus completed. But not without one last thing getting me, the woman with no patience for electronic devices, into a real tizz. After the move, our cat flap fitted with microchip sensors gradually started to deny us its services. At first, the display failed so we changed the batteries. And since yesterday, the stupid door simply freezes in whatever mode is chosen – rien ne va plus. My initial fear was that all the up and down, back an forth during the move caused the damage. But after a call to the “SureFlap” customer service, they confirmed that this is not an unknown issue to them. Apparently it is quite common in the series that our model belongs to. It is some kind of manufacturing defect in the battery compartment. Without any discussion the lady from the customer service confirmed that she would immediately have a replacement sent to us. And of course she apologized like a thousand times for the inconvenience this caused us. As happens every time you call customer service over here.That is one of the things that really caught my attention over here: Customer service is uuuuunbelievably good. Whether in a shop, at the restaurant or if you call the bank – or like in my case the cat door manufacturer. I don’t mean to say that America in general offers better service than Switzerland does. But they do it sooooo much friendlier. No one becomes indignant, even if it is quite obvious or audible that the customer is about to lose it. I make myself believe that all helpline staff over here are obliged to participate in a “patience-of-a-saint-seminary”. I cannot explain it otherwise. And it has the desired effect on me: I feel well understood and taken seriously. Happy place. That feels good, especially when you realize how impatient I can get with non-working electronic devices. My loving husband doesn’t seize to be amazed at how much patience I have for people and animals, but none at all whatsoever for machinery that doesn’t work the way I expect it to. Accordingly, after only three minutes of attempting to get the cat door working again I totally lost my nerves and was ready to hew the stupid thing into pieces. Luckily, my patient-with-machines husband was around to carefully inform me that a splintered cat door doesn’t make a good case when calling up customer service for warranty.

Aside from the customer-friendliness a shampoo-question lately caused me to say “OMG, what a difference it makes!” Owing to my hair-raising escapades with my hair color I always had to treat my hair with lots of protein and moisture. After going through all the possible products that Migros and Coop had to offer, my hairdresser in Switzerland recommended that I purchase an especially nourishing product line by «Redken». Of course these products were only distributed by hair salons and a bottle cost me about CHF 30. And mind you, there’s not only the shampoo but also conditioner and some kind of ooze from a pump bottle to make combing easier. Admittedly, everything lasted for about 4-5 months but the price of the products still seemed outrageous to me. So when I scoured the aisle with the hair care products at HEB, an ordinary supermarket, during a visit in June last year I was thunderstruck: The «Redken» products were available right there for a ridiculous $ 15.

In the meanwhile, almost 6 months have passed since my arrival and accordingly, I had to stock up my hair care supplies. So I decided to let my eyes wander over the infinite choice and my attention was caught by the «Paul Mitchell» product range. Hadn’t my dear friend, Mrs. Wheat-Intolerance, told me once that she highly esteemed «Paul Mitchell» hair products? And her hair always looks so beautifully silky and soft. And hey, the bottle only cost a ridiculous $ 12. What the heck, I thought to myself and stuffed shampoo and conditioner into my shopping basket. And what a surprise, what a difference – never before did I have hair that was as soft and easy to brush. And my – or let’s say my dear husbands – wallet was very pleased, too. What a difference it makes indeed… It’s so nice if little things like that can make you happy, right?!

A (pretty) smoove move

At last – es ist geschafft. Die Wohnung in San Antonio ist gereinigt, die Schlüssel ausgehändigt – und wir erleichtert, glücklich, aber auch kaputt. Obwohl es ein relativ “kleiner”, und auch schon seit langem vorausgeahnter Umzug war, ging er doch an die Substanz. Vor allem mir, was sich dann auf die Katzen und schliesslich auch auf den liebenden Ehemann übertrug. Mich hat die erneute Veränderung zur Einsicht gebracht, dass ich mir in nächster Zeit etwas geistige Ruhe gönnen muss. Soll heissen, nicht so viel darüber nachzudenken, was ich tue und was ich in naher Zukunft tun sollte.

Bis jetzt habe ich die Wirkung meiner Übersiedlung und der damit verbundenen Anpassungen und neuen Erfahrungen sehr unterschätzt, respektive meine Anpassungsfähigkeit einigermassen überschätzt. Na klar, ich dachte mir, von einem Ort in einen anderen zeihen – das habe ich in meinem Leben doch schon einige Male geschafft, keine grosse Sache. Doch Tatsache ist – es war und ist eine grosse Sache. Sämtliche Freundschaften und Familie hinter sich zu lassen, einen lieb gewonnen Job und die seit 40 Jahren gewohnte Umgebung durch eine neue Landschaft, andere soziale Werte und eine fremde- selbst wenn noch so geliebte – Sprache auszutauschen, das ist wahrlich kein Schleck. Mein Mann hat es sehr gut gesagt: Ich bin zwar äusserst anpassungsfähig, doch für jemanden, der aus einem so stabilen Umfeld wie ich stammt – solide Familienverhältnisse, langjährige Freunde, nicht ständig wechselnde Jobs, stabile wirtschaftliche Verhältnisse – der ist sich so tiefgreifende Neuerungen wie ich sie gerade durchmache nicht gewohnt. Immerhin habe ich die ersten 39 Jahre meines Lebens praktisch in einem Umkreis von ca. 60 km verbracht. Da konnten auch meine Weltreise und meine Weltoffenheit mich nicht auf die Folgen für meine Psyche vorbereiten.

Keine Angst, ich bin nicht gerade in eine Depression verfallen. Ich bemerke lediglich, dass ich zwischendurch einfach sehr viel von mir selber verlange: Ich will sämtliche Insider-Jokes kennen, jeden noch so abgefahrenen Südstaaten-Slang verstehen, die Gedankengänge des Amerikanischen Volks nachvollziehen können, die vielen Feiertage kennenlernen, die Geografie und vor allem Strassenführung im Kopf behalten können und nebenbei noch Spanisch lernen. Ganz abgesehen davon, was mein Unterbewusstsein alles ohne mein kognitives Wissen im Hintergrund noch alles verarbeitet. Da ist es wohl kein Wunder, dass klein Luzi im Durcheinander des Zügeltumults einfach mal schlapp macht und geistig zusammenbricht. Zum Glück erfahre ich auch hier, wie bisher immer in meinem Leben, viel Liebe und Verständnis, womit diese Episode rasch überstanden war.

Nachdem ich nun so einiges klarer sehe, versuche ich stark, meine nähere Zukunft möglichst offen zu halten. Damit ich jetzt loslassen und so richtig zu geniessen anfangen kann. Einfach meinen Instinkten folgen, auf den Bauch hören. Als erstes werde ich bestimmt meinen Geist beim Schwimmen im Pool und Herumwandern, Laufen und Velo fahren in der erweiterten Umgebung baumeln lassen. Darauf habe ich mich nämlich schon lange gefreut. Und auch wenn ich noch kein eigenes Fahrrad besitze, so gibt es doch im nahegelegenen Zilker Park Mietstationen für eBikes. Wunderbar. Damit ist von Downtown bis zu uns nach Hause alles ideal und in vernünftiger Zeit auszukundschaften. Das Schöne daran? Nebenbei lerne ich erst noch auf spielerische Weise die Geografie meiner neuen Heimat Süd-Austin kennen.

Und zu eurer Beruhigung kann ich gleich festhalten: Das Schreiben ist mir keine Belastung, im Gegenteil – es lässt mich viele Dinge klarer sehen. Somit bleibe ich in Bewegung und albern wie immer und kann euch weiterhin über meine verschiedenen kleinen, verrückten Abenteuer auf dem Laufenden halten!

My next move

Ich bin soweit: Die Koffer sind gepackt und ich bereit zum Abhauen. Obwohl mir San Antonio wirklich ans Herz gewachsen ist muss ich weg von hier. Nein, muss ist zu viel gesagt. Ich möchte weg. Nicht wegen San Antonio. Wegen Austin. Und Greg. Ach, all die Männer…

Was ich eigentlich ausdrücken will ist: Der beste aller Ehemänner und ich ziehen um. Wegen seines Jobs. Nach Austin. Ich bin nicht wirklich überrascht, es hatte sich schon seit Längerem abgezeichnet, dass im Frühling 2014 ein Umzug ansteht. Und auch wenn ich erst seit knapp einem halben Jahr in Texas bin, stört mich der erneute Wohnungswechsel nicht. Natürlich – inzwischen konnte ich mir hier einige Bekannte schaffen und auch die Umgebung ist mir derweil einigermassen vertraut geworden. Vor allem der nahe gelegene Hardberger Park hat es mir angetan. Aber ich glaube daran, dass wir erneut ein solches Glück haben können, und wir es wieder mindestens so gut haben werden.

Resort-view from our living room
Resort-view from our living room

Was mich zu dieser Überzeugung bringt? Einerseits eine positive Einstellung. Andererseits der neue Wohnort, den wir uns ausgesucht haben. Wir haben wieder eine kleine aber feine Wohnung, diesmal im ersten Stock mit Schrägdecke, zwei Balkonen und einem Blick auf den Community Pool (Salzwasser, ganzjährig geheizt) wie in einem Luxus-Resort. Echt traumhaft. Ganz ehrlich – ich glaube, ich werde mir noch etwas Zeit lassen mit der Job-Suche. Muss mich ja schliesslich erst wieder einleben 😉

Am meisten aber überzeugt mich Gregs Vorfreude. Ich kann sie ihm förmlich ansehen. Er kommt in eine alte, geliebte Heimat zurück, einen Ort, an dem er sich zuhause fühlt, sich auskennt und weiss, wie der Hase läuft. Und vor allem, einen Ort, an dem etwas mehr los ist, zu dem er mich ausführen kann. Man denke nur an das nächste Woche anstehende SXSW (insert link: http://www.sxsw.com)(South-by-Southwest) Festival. Das sind neun Tage Film, Musik und “Interactive” Festival (interaktiv = top-aktuelle Technologie und digitale Kreativität). Zudem können wir hier ganzjährig in Bars der Live-Musik teilweise recht bekannter Bands frönen, es gibt einen Park wieder ca. 2km von unserer Wohnung entfernt zu dem ein Naturpfad entlang eines Baches führt, was natürlich ideal für meine Läufe ist. Im Park gibt es ein öffentliches Schwimmbad am Fluss, man kann Velos und Kanus und SUPs mieten – einfach perfekt für mich und meinen Bewegungsdrang. Und unsere Wohnung ist geschätzte 5 Minuten zu Fuss von Gregs Büro entfernt. Was will man mehr.

Home is where our cats are
Home is where our cats are

Doch zurzeit stecken wir noch in den Vorbereitungen zu alledem. Eine kleine Portion haben wir schon mal per Auto in die neue Wohnung verfrachtet, das heisst während mein hart arbeitender Ehemann brav seinen Meetings in Austin bewohnte, habe ich schon einmal einige Boxen in die Wohnung gehievt und damit einen ersten Hauch an Wohnlichkeit verbreitet. Aber wie immer ist auch hier daheim nur, wo die Katzen sind – also schnellstens die Zügelei hinter uns bringen und die Fellbündel einpacken, damit wir auch wirklich ein Zuhause haben!

The Cheesecake Factory & I

Greek-Salad
Greek-Salad

Die Fastenzeit ist im Anmarsch und so dachte ich mir, reibe ich euch ein wenig meine kulinarischen Ausschweifungen hier im Land der öffentlichen Ess-Sünden unter die Nase… Man fasst es nicht: Kaum geschrieben schlägt das Karma schon zurück – der Teebeutel verschiebt sich während des Trinkens in der Tasse und ein guter Schluck geht anstatt in den Hals zur äusseren Anwendung über; auf mein Shirt… OK, jetzt hab ich bereits gebüsst, da kann ich’s auch faustdick austeilen. Legen wir mal los.

Ich kann mich erinnern, dass ich im Frühling 2012 in Gregs Gegenwart erwähnte, vor knapp 20 Jahren zum ersten und letzten Mal Cheesecake gegessen zu haben. Meine Erinnerung daran ist entgegen der inzwischen vergangenen Ewigkeit noch frisch, denn ich liebte die Tatsache, dass ich anstatt der erwarteten Käsewähe ein Tortenstück von himmlischem Genuss gereicht bekam. Doch bei diesem einen Stück war es seither immer geblieben. Irgendwie ergab sich nie mehr die Gelegenheit dazu. Es sei zu bedenken, der Genuss von Cheesecake muss gut geplant sein – wie eine Mahlzeit. Denn genau so füllt sie einen. Wenn du danach bei Muttern zum Essen eingeladen bist, machst du eine schlechte Falle – da geht nix mehr. Ein Stück Torte aber wirklich als Mahlzeit zu verdrücken geht irgendwie auch nicht. Der Salzgehalt ist dafür einfach zu dürftig.

Club Sandwich Galore
Club Sandwich Galore

Doch letztes Jahr war es dann soweit – ich wurde auf die Spuren eines echten Stücks amerikanischer Kultur gesetzt. Und so endete ich zum ersten Mal in einer Cheesecake Factory. Damals ahnte ich noch nicht, was sich hinter diesem nach Dessert klingenden Namen alles verbirgt. Nämlich ein Top-Restaurant mit einer Monster-Menü-Karte, für die ich den Betreibern nur den Hut ziehen kann. Wer nur ein oder zwei Mal den Herrn Rach beim Restaurant testen begleitet hat weiss, dass eine zu lange Speisekarte nicht funktioniert. Doch hier tut sie es. Und wie. Egal was du bestellst, es erwartet dich ein Wunderwerk an Köstlichkeit. Ich könnte mich jedes Mal hinlegen vor Gaumenfreude. Keine Ahnung, wie die das hinbekommen. Und das Schönste an allem: Auch mein etwas Weizen-heikler Besuch aus der Schweiz hatte eine laaaange Liste an gluten-free Menus zur Auswahl. Inklusive weizenfreiem Maisbrot. Einmalig.

Asian Salad
Asian Salad

Allerdings bleibt auch hier das Problem mit dem Timing des Cheesecake bestehen. Denn nach so leckeren Speisen noch einen Nachtisch reinhauen zu können, verlangt schon nach besonderen Ess-Fähigkeiten. Doch zum einen kann ein Nachtisch ja geteilt werden. Aber noch besser und für mich die Entdeckung in Sachen Kulinarik, wo ich doch nie so riesige Portionen runterschlingen kann – der in den Staaten allseits verbreitete Doggy Bag. Ein Hoch auf eine weitere wunderbare Institutionalisierung meines neuen Heimatlandes!

When your toe is feeling blue

Or: The Reason I needed new Running Shoes

Official «Greifenseelauf» photo

 

Meine persönliche Laufkarriere (die natürlich nie in eine professionelle Karriere ausgeartet ist, sondern nur immer meinem eigenen Vergnügen und meiner Fitness gedient hat) dauert nun doch schon etwa 25 Jahre an. Angefangen habe ich wohl zwischen meinem ersten und zweiten Lebensjahr. Soweit ich mich zurück erinnern kann, sehe ich meine Kindheit meist bloss als verschwommene Fröhlichkeit vor mir. Verschwommen deshalb, weil ich die Welt fast ständig durch das rennende Hin und Her oder aber das hüpfende Auf und Ab glücklicher Mädchenaugen sah. Ja, ich war viel draussen, am Fussball oder Fangen spielen, mit Rollschuhen, auf dem Skateboard oder am umherspringen auf dem seltsam geformten Brunnen unseres Pausenplatzes. Es gab nur einen Knick in meinem Lauf-Enthusiasmus, von meinem 17 bis 26 Lebensjahr. Diese Zeit habe ich dafür intensiv mit Skifahren und Snowboarden überbrückt. Mit 26 Jahren dann fing ich auf meiner Weltreise bewusst an zu joggen, was sich später eben zum Laufen entwickelt hat.

Während dieser ganzen Zeit lediglich von einem Laufleiden geplagt worden zu sein, sehe ich als ausgesprochenen Segen an. Selbst als ich infolge eines Schleudertraumas erst nach etlichen Wochen wieder zu den Laufschuhen greifen durfte, bemerkte ich, dass das Laufen meinen Rücken entspannt und mir tatsächlich gut tut, anstatt zu schaden, wie hätte vermuten können. Und so ist es heute noch – wenn ich einen verspannten Rücken habe, laufe ich, um ihn und mich aufzulockern.

Kürzlich wurde ich allerdings nach einem 18 km Lauf von meinem einzigen Leiden wieder heimgesucht – dem sogenannten Läuferzeh. Mit dem hatte ich nach meinem ersten Halbmarathon am Greifensee im Jahr 2011 zum ersten Mal Bekanntschaft gemacht. Da er mich nicht von meinem Sport abbringt, sehe ich ihn eher als lästige Nebenwirkung denn als eigentliche Verletzung. Dies könnte aber auch daran liegen, dass sich bisher lediglich mein Nagelbett dunkelblau verfärbt hat, ich aber noch nie den Nagel verloren habe. Dementsprechend treten auch keine eigentlichen Schmerzen auf, sondern bloss eine unangenehme Empfindlichkeit bei Druck auf den Nagel. Doch selbst dies dauert nie mehr als einen Tag an.

In-official footage of my «Greifenseelauf»-run… or rather jog… the last 300m :-p

Nun gibt es ja verschiedene Theorien zur Ursache des sogenannten Läuferzehs. Einerseits soll es an zu kleinen Laufschuhen liegen. Oder aber am falschen Laufstil, spezifischer ausgedrückt an zu langen Schritten. Oder an den Socken. Zu langen Zehennägeln. Zu lose geschnürten Schuhen. Jedenfalls dachte ich über meine Nike’s nach und musste mit Schrecken feststellen, dass diese bereits 3, resp. 2 Jahre auf ihrem Laufbuckel haben. Bei gemässigt geschätzten 20 km wöchentlich komme ich so auf gute 1‘000 km pro Jahr. Verteilt auf 2 Paar Laufschuhe. Über eine Dauer von 3 Jahren haben meine Treter so schon je satte 1’500 km zurückgelegt. Da klingelten bei mir ganz rasch die Alarmglocken – hier musste mindestens ein Paar erneuert werden. Der beste aller Ehemänner war denn auch schnell zur Stelle, denn er versteht, dass mir das Rennen guttut und er will, dass ich die bestmögliche Ausrüstung habe, um dabei auch verletzungsfrei zu bleiben. Und so besuchten wir am vorletzten Wochenende den Nike Outlet zwischen San Antonio und Austin. Darüber habt ihr ja inzwischen bereits gelesen.

Nach knapp zwei Wochen kann ich natürlich noch nicht viel mehr sagen als, dass die neuen Lauftreter bequem wie Hausschlappen sind. Doch ob damit auch mein Zehenproblem aus der Welt geschafft ist, das lässt sich noch nicht mit Sicherheit beurteilen. Sollte dieser üble Plagegeist mich tatsächlich noch länger peinigen, hiesse es ausprobieren, was meinen Zeh wieder zu besänftigen vermag.

Wenn wir zurück auf meine initialen Liste gucken, kann ich die zu kleinen Laufschuhe ausschliessen. Auch die neuen Paare sind mit 1.5 Nummern Übergrösse ideal für tendenziell aufschwellende Füsse, jedoch nicht zu gross um die Zehen unkontrolliert umherschleudern zu lassen. Als nächstes wäre die Schrittlänge zu überprüfen. Mit meinen durchschnittlich 150 Schritten pro Minute bin ich wohl direkt an der Grenze. Grob gesehen geht man davon aus, mit unter 150 Schritten zu lange Schritte zu tun, doch soll der Durchschnittsläufer mit normaler Schrittlänge bei 150-160 Schritten pro Minute liegen. Aufgrund von Fotostudien meiner selbst vermute ich aber, dass ich nicht zur “hechtenden” Spezies gehöre.

Bei falschen Socken habe ich bisher nur eine Erfahrung gemacht: Blasen. Ich achte nun aber darauf, bei Schuhen, die weiter geschnitten sind, nicht zu dünne Socken zu tragen, um den Zehen etwas mehr Federung zu gönnen. Was die Zehennägel angeht, schliesse ich diese als Ursache direkt aus. Ich halte es dort wie mit den Fingernägeln: Punk rules und daher – kürzer ist besser. Was uns eigentlich nur mit die Möglichkeit einer zu losen Schnürung der Laufschuhe zurück lässt. Da sehe ich durchaus Verbesserungspotential. Meine Schuhschnürung habe ich bis anhin grosszügig vom Snowboarden übernommen: Im Zweifelsfall eher lockerer, um Krämpfe zu vermeiden. Dies könnte beim Laufen durchaus dazu geführt haben, dass meine Zehen etwas zu viel Freiraum geniessen konnten – und dadurch aber auch ihre Stabilität einbüssten.

Nun, ich könnte wohl noch einige Zeit so weiter sinnieren, doch mit dem Laufen ist es wie mit so vielem im Leben – nur durch Trial and Error findest du wirklich deinen optimalen Flow.

What a difference it makes

Am Wochenende hat mich der beste aller Ehemänner zu einer Shoppingtour eingeladen. Ich war im siebten Himmel. Location: San Marcos Outlet Malls; zusammen mit dem angrenzenden Tanger Outlet Heimat von über 350 Läden mit einer Gesamtfläche von 93‘000 m2. Ein echtes Stück Texas halt. Wer jetzt denkt, ich hätte mich in Beauty- und Schuhläden getummelt, irrt. Naja, zumindest teilweise. Denn mich interessierte an diesem Samstag lediglich ein Laden: Der Nike Store. Ja, ich gebe es zu: Wenn es zu Laufschuhen kommt, bin ich ein Nike-Fetisch. Der Grund für unseren Besuch hier war die Notwendigkeit neuer Laufschuhe. Mehr dazu aber ein andermal.

new-running-shoesAngefangen mit dem Nike-Fetisch hatte alles mit dem Apple-Fetisch. Hä? Nachdem ich vor Jahren mal einen iPod geschenkt kriegte, war ich dem Ding verfallen. Es gibt aber auch so viele brauchbare Apps dafür. Die Nike+ App zum Beispiel. Zusammen mit einem Chip in der Innensohle des Laufschuhs misst die App die zurückgelegte Distanz und Geschwindigkeit eines Laufes. Ideal für mich, die immer auf Kriegsfuss mit zu vergleichenden Pulsuhren und klobigen GPS-Sensoren stand. Auf das Pulsmessen verzichte ich ohnehin, denn seit mir die Diagnose Anstrengungs-Asthma (auch dazu mehr ein andermal) gestellt wurde, laufe ich nur noch nach Lust und Laune. Trotzdem fühlt es sich gut an zu wissen, wenn man einen besonders zügigen oder langen Lauf geschafft hat. Wie aber schon der Markenname «Nike» in Nike+ antönt, ist Nike der exklusive Partner von Apple für den Einsatz dieser App. Denn nur Nike Laufschuhe haben die notwendige kleine Höhlung in der Laufsohle, um den entsprechenden Chip darin zu platzieren. Nachdem ich so vor etlichen Jahren mein erstes Paar Nike Schuhe erworben hatte und dadurch endlich der Adidas-Blasen-Tortur entkam, war ich so begeistert von den Tretern, dass ich seither einfach nie mehr wechseln wollte. Warum etwas ändern, was sich seit Langem bewährt? Bei vielem bin ich experimentierfreudig, doch hier verlasse ich mich lieber auf erprobte Werte.

So besuchten wir also meinen Lieblingsladen weit und breit. Zack rein und schon nach weniger als einer Stunde mit 2 Paar Nike Air Pegasus und einem 3er Bund Socken wieder raus. Es ist unglaublich, wie bequem ein neues Paar Laufschuhe sein kann. Beim einen Paar wusste ich sofort, dass ich sie nicht einmal gross einzulaufen brauchte. Am Sonntag für einen Ausflug montiert und ready waren sie für meinen heutigen Lauf.

running-pathUnd oh Wunder: Was für einen Unterschied es macht. Im Nachhinein kann ich nicht einmal mit Sicherheit sagen, was genau das heutige Lauferlebnis so perfekt gemacht hat. Wahrscheinlich die Kombination sämtlicher Faktoren: Eine mehr als eintägige Absenz von meinem Inhalator, so dass ich mich vor dem Lauf für einmal anstatt nervös eher relaxt fühlte. Eine nette Portion Spaghetti am Vorabend, die erste Pasta seit einer gefühlten Ewigkeit. Die frühlingshafte Temperatur von ca. 25°C. Der leicht bewölkte Himmel, der die Hitze der Sonne zu bremsen vermochte. Die sanfte Brise, die mir hier und da den Schweiss abkühlte. Die angenehme Luftfeuchtigkeit um 63%, welche meiner Lunge gut tut. Und eben meine neuen Laufschuhe. Ich fühlte mich wie auf Federn gebettet. Du merkst erst, dass deine Joggingschuhe hin sind, wenn du ein neues Paar ausprobierst.

Von all diesen Tatsachen beflügelt, nein, geradezu getragen, schwebte ich dahin, in einem Zustand glückseligster Meditation. Für einmal kein Kampf, weder mit meinem Kopf, dem Schnaufapparat noch den Muskeln. Weder im Kopf, noch im Körper. Es lief einfach. Wie geschmiert. Und gut gepolstert. Das perfekte Rezept für den Flow. Und er liess mich nicht im Stich. Aber auch dazu mehr ein andermal.

My true America

Was der Legende nach als heimliche Vermählung von römischen Soldaten durch Valentin begann, hat sich hier in Amerika abermals zu einem kommerziellen Feiertag gemausert. Klar, auch in der Schweiz feiert man den Valentinstag, doch meist beschränkt sich die Feierlichkeit dort auf einen Blumenstrauss oder die gelegentliche Einladung zum Essen. In den Staaten allerdings ist über fünf Tage jedes bessere Lokal besetzt, Schönheitssalons ausgebucht, jeder Laden blendet in verführerischstem Pink seine Besucher und die Mitarbeiter auf der Post frankieren sich die Finger wund. Es ist echt verrückt.

Es ist schon interessant: Während mir regelmässig die Augen und Ohren übergehen, wenn ich in ein proppenvolles Restaurant spaziere und erfahre, dass die Wartezeit für einen Tisch gut eine Stunde beträgt, tragen die Einheimischen es mit Fassung; sie setzen sich gemütlich in der Wartezone auf Stühle oder Bänke, lassen sich an der Bar nieder oder stehen sich gar – mit Menü und/oder Getränk ausgerüstet – die Füsse platt. Die Warterei an sich stört mich nicht. Wenn man eine nette Begleitung hat, kann man sich sehr kurzweilig unterhalten und die Zeit vergeht wie im Flug. Wo ich an meine Grenze stosse ist, wenn die Platzverhältnisse sehr eng sind. Da wuseln dann Kellner mit Karten oder gestapelten Tellern an dir vorbei, Kunden quetschen sich durch die anstehende Menschenmasse und auch das Abräumpersonal presst sich mit schmutzigem Geschirr durch den wartenden Mob.

So geschehen vergangenen Mittwoch – und man bemerke, Valentin’s Tag war erst am Freitag – in einem Steakhouse. Es war gerade so zwischen 6 und sieben, als wir zur Post wollten. Wir traten ein und nach 10 Minuten anstehen in einer Schlange, die sich keinen Zentimeter – oder Inch, wie ich mir jetzt angewöhnen sollte – bewegte, fragte der beste aller Ehemänner mich, ob er mich zum verfrühten Valentin’s Essen einladen dürfe, anstatt uns hier die Beine in den Bauch zu stehen. Danach könnten wir einen frischen Besuch wagen, die Post ist ja bis 10 Uhr abends geöffnet. Klar, für mich gar kein Problem.

Saltgrass SteakhouseUnd so tauchten wir in eben diesem Steakhouse mit der stündigen Wartezeit und der überladenen Wartezone auf. Wir machten umgehend kehrt und fuhren zum nächsten Steakhouse. Etwas währschafter, dafür mit (vermeintlich) kürzerer Wartezeit von 10 Minuten und weniger beengenden Platzverhältnissen. Nach 10 Minuten, die uns wie eine halbe Stunde vorkamen, wurden wir aufgerufen und die Lady, die uns den Platz anweisen sollte machte sich auf den Weg. Doch was ist das? Eine andere Dame folgt der Platzanweiserin und nimmt unsere Sitze in Beschlag. Glücklicherweise ist gleich der Tisch nebenan frei und bereits gereinigt, so dass wir uns ebenfalls ohne Verzögerung hinsetzen können. In diesem Moment würde das Desaster beginnen, wären wir nicht so entspannt drauf und hätten uns so prächtig unterhalten. Es dauerte mindestens eine Viertelstunde, bis uns ein Kellner fragte, ob bereits jemand die Getränkebestellung aufgenommen habe. Wir verneinen und er entschuldigt sich. Seine Kollegin, die für unseren Tisch zuständig sei, habe heute den zweiten Arbeitstag und komme noch nicht wirklich nach mit der Arbeit. Ausserdem sei die Küche sinnlos überlastet und er könne auch bald nicht mehr. Das die Zusammenfassung seiner Bericht während unseres Besuchs. Nun gut, ihr könnt euch vorstellen was folgt: Die neue Mitarbeiterin kommt doch noch irgendwann vorbei, entschuldigt sich tausendmal, wir kriegen unser Essen natürlich, einfach mit viel Verzögerung und stufenweise. Aber wie gesagt, wir nehmen es locker und verstehen, dass es nicht gerade einfach ist, sich während solch hektischer Zeiten einarbeiten zu müssen.

Jedenfalls machen wir uns gutgelaunt noch auf den Weg in Richtung Post. Es ist inzwischen bereits nach 9 Uhr und so erwarten wir ein ruhiges Bild. Doch nichts dergleichen: Die Schlange, die uns erwartet, ist praktisch identisch zu der, die wir vor über zwei Stunden verlassen hatten. Dies wird uns quasi von einer Dame bestätigt, die ganz geschäftig dabei ist, etlichen Schnickschnack in zwei Pakete zu verpacken. Sie meint, sie habe die Post in den letzten zwei Stunden nicht verlassen. Die Dame repräsentiert eine für mich typisch gewordene Gattung von Post-Besuchern: Die „ich-verwende-die-Wartezeit-in-der-Post-um-meinen-Brief-zu-schreiben-Paketkartons-auszusuchen-die-Etikette-zu-adressieren-und-den-Karton-zusammenzukleben-und-alles-mit-etlichen-Stickern-zu-verschönern“. Soll heissen, es gibt etliche Postbesucher, welche die letzten (oder eben alle) Schritte eines Versandes erst im Postbüro abschliessen, um die Wartezeit während den Stosszeiten optimal zu nutzen. Ich selbst bin auch schon mal dem Syndrom verfallen, als ich ein Paket in die Schweiz senden wollte, jedoch nicht wusste, welches Formular ich dazu ausfüllen sollte. So schnappte ich mir jedes in Frage kommende Dokument und füllte allesamt aus. Als ich dann am Schalter stand, gab mir der Beamte zu verstehen, dass ich ein ganz anderes Papier auszufüllen habe 😀

Jedenfalls unterhielt die Lady in der Post den ganzen Laden, vor allem als sie aus Schusseligkeit ihre kleine Plastikbox mit allerlei Krimskrams herunterschmiss und daraufhin auf dem Boden rumrobbte, um alles wieder einzusammeln. Alle waren prächtig gestimmt und der Postbeamte freute sich sichtlich über die herrschende lockere Atmosphäre. Ich hatte eine wirklich schöne Zeit an diesem Mittwochabend – das ist mein Amerika!

Have I grown old or what?

And: Why sometimes a creative break pays out double

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die uns verraten. Eine Stirn, die anstatt Pickeln jetzt kleine Einkerbungen zeigt, Krähenfüsse, Falten am Hals, kleine Fältchen um den Mund, Hände, die nicht mehr ganz so frisch aussehen wie früher, eine tiefere Stimme. Dies alles sind offensichtliche Zeichen des Alterungsprozesses. Doch selbst merkt man sich das Alter meist eher an inneren Veränderungen an. Wie neuen Verhaltensweisen zum Beispiel. Und das ist mir heute wieder einmal bewusst geworden.

Vor einigen Jahren hat sich eine Taktik bei mir eingeschlichen, die ich früher nicht im geringsten nachvollziehen konnte. Wenn ich ausnahmsweise mal nicht so toll schlief – und das passiert mir glücklicherweise bis heute äusserst selten – aber abends noch weg wollte, dann legte ich mich vorsichtig ein halbes Stündchen aufs Sofa, schloss die Augen und meditierte. Ich bin nie wirklich richtig eingeschlafen, sondern habe mich selber in diesem Raum zwischen Wachsein und Schlaf gefangen nehmen lassen. Super, denn dies ermöglichte mir, nach einer halben Stunde aufzustehen ohne völlig erschlagen zu sein.Im Gegenteil, ich erhob mich erfrischt und gestärkt, ein wenig wie der Phönix aus der Asche. In früheren Jahren hingegen hätte ich das niemals hingebracht. In meinem jugendlichen Übermut hatte ich kein Problem mich etwas übermüdet irgendwo hinzulegen und einfach zu schlafen. Egal wo. Kaum waren die Augen zu, schlummerte ich tief und fest. So nach einer halben Stunde aufwachen zu wollen, ist ein genauso grausamer Kampf wie morgens aus der Tiefschlafphase geweckt zu werden.

Es scheint, ein wenig Weisheit (=Alter) und Ausbildung in Sachen Meditation haben mich reifen lassen. Und zeigen mir nun entsprechend mein Alter auf. Das ist mir eben heute fast bildlich vor Augen geführt worden. Ich legte mich hin um einem ca. 20-minütigen Meditationstape zu lauschen. Als ich mich nach etwa 40 Minuten erhob, fühlte ich mich dermassen erfrischt, als wäre ich gerade aus einer Dusche gestiegen. Unfassbar!

Das Beste an der ganzen Geschichte jedoch ist, dass der beste aller Ehemänner, während ich mich mental berieseln liess, meinen Laptop Hard-Core-Blogger-fit gemacht hat 🙂 Ja, meine Maschine war noch ziemlich rückständig mit lächerlichen 4GB RAM bestückt. Ich erinnere mich an die Zeit, als 4GB RAM mehr als genug für jegliche Normalverbraucher-Kapriolen waren. Tja, auch daran merke ich, dass ich alt werde.

In the flow

Habt ihr euch jemals in eurem Leben wie auf einer stetigen Achterbahn gefühlt? Für mich ist dieses Gefühl im diesjährigen Winter langsam aber sicher zum Standard geworden. Die Temperaturschwankungen sind enorm. Aber zumindest finden sie in regelmässigen Intervallen statt. So könnte man sagen, die Schwankungen haben eine gewisse Stetigkeit erlangt. Letzte Woche herrschte ein so echter Wintereinbruch, wie man ihn hier wohl erwarten kann, mit einem Puderzuckerguss an Graupelschauern. Am Wochenende dann lockte die wärmende Sonne so viele Menschen in die Parks, dass ich spontan meinen sonntäglichen Dauerlauf zu einem Hindernislauf umgestalten musste. Es nur schon durch die ganzen auf jeder freien Fläche parkierten Autos zu schaffen, ohne von einer Wagentür oder einem herausspringenden Hund abrupt gestoppt zu werden, war eine Leistung.

The moment after
The moment after

Beim Laufen dann sinnierte ich so vor mich hin, wie ich das eben immer tue, wenn ich den blockierenden Gedanken davonzurennen versuche. Laufen ist für mich ein wenig wie träumen: Während man dabei ist, durchlebt man im Kopf die grossartigsten Geschichten, Bilder formen sich vor dem inneren Auge, man ist völlig absorbiert. Doch schon kurze Zeit später schaltet der Kopf wieder auf Normalgebrauch zurück und ich kann mich nur noch schwer an die inspirierenden Gedanken während des Laufes oder eben des Traumes erinnern. Schade eigentlich, denn während ich so durch die Gegend trabe finde ich meine Einfallskraft immer überwältigend. Doch ist hier vielleicht das Feriensyndrom am Werk? So wie man im Urlaub etliche Dinge als unbeschreiblich empfindet – der Wein mundet wie die süsseste Frucht, das Thunfisch-Sandwich erzeugt Musik im Mund – sieht man vielleicht beim Rennen seine Gedanken als vergoldete Wahrheit: Hätte man die gleichen Gedankengänge aber im Ruhezustand, wäre es potentiell blosses Kopfgeschwafel. Oder doch nicht?

Für den Moment kann ich das nicht abschliessend beurteilen. Dazu müsste ich allenfalls anfangen, ein Lauf-Tagebuch zu führen. Fakt ist allerdings, dass ich mich jedes Mal nach einem Lauf inspirierter und motivierter fühle, meine Gedanken niederzuschreiben. Ob sie jemanden interessieren? Auch das kann ich nicht final abschätzen. Hierfür müsste ich eine Umfrage bei euch da draussen durchführen. Das ziehe ich auf jeden Fall in Erwägung. Für den Moment sei gesagt: Wer konkrete Wünsche an meine Themenwahl hat, soll sich doch mittels Kommentar oder Email bei mir melden. Vielleicht will jemand wissen, ob ich schon Gewicht zugeleget habe. Ich glaube nicht. Denn entsprechend zu den teilweise grösseren Portionen die ich esse, mache ich auch mehr Sport. Interessant wird dieses Thema allenfalls, wenn ich einen Job annehme. Oder fragt sich jemand, ob ich schon Wörter in meiner Muttersprache verliere? Nein, so schnell geht das nicht. Im Gegenteil; wenn du mit knapp 40 dein Heimatland verlässt, befürchtest du eher, dass du als alte Frau einmal im Pflegeheim sitzt und dich kein Mensch versteht – weil du dich nur noch an deine Muttersprache erinnern kannst und alles unterwegs erlernte aus dem Gedächtnis verschwindet.

Doch bis es soweit ist, wird mein Körper noch so einige Loopings in Sachen Winter auszuhalten haben. Aber ich bin positiv, der Frühling kommt bestimmt – auch bei euch!

That’s Greek to me

That’s Greek to me or Das kommt mir spanisch vor

Spanisch ist eine äusserst interessante, für mich gar amüsante Sprache. Ich muss es wissen, denn ich bin gerade am Lernen meiner ersten Basics. Vor Jahren hatte ich mich – damals noch mit Lehrbuch und CD ausgerüstet – bereits einmal dahinter gemacht, weil ich regelmässig nach Spanien in den Urlaub fuhr. Ich lernte damals nicht viel, nur gerade das Nötigste, was ausreichte, mich durchzuschlagen. Sogar in Nordspanien, wo man sich – zumindest vor 15 und mehr Jahren – strickte weigerte, eine andere Sprache als Spanisch zu verstehen oder gar zu sprechen. Was ja auch richtig ist, immerhin ist man ja in Spanien, da erwarte ich zumindest nicht, dass die Leute Englisch, Deutsch, Italienisch und Russisch mit mir quatschen. Leider sehen das viele anders und so kann man sich in Südspanien schon “Von” nennen, wenn man einmal richtig Spanisch angesprochen wird.

Nun gut, ich wollte die Sprache schon immer besser lernen, nahm mir aber leider nie die Zeit dafür. Jetzt ist der Moment da: Ich habe jede Menge Zeit zur Verfügung, lebe in San Antonio, wo mindestens jeder Dritte Spanisch spricht und es daher durchaus Sinn macht, das eine oder andere Wort zu verstehen. So widme ich mich einem online Kurs, der mich sehr individuell lernen lässt. Ich kann mein Tempo selber bestimmen, mir soviel Zeit nehmen wie mein inzwischen doch schon mittelalterliches Hirn benötigt, um die Wörter und Satzstrukturen einigermassen zu verstehen und im Kopf zu behalten. Ich bin weitaus nicht mehr so perfektionistisch veranlagt wie früher, als ich dachte, jeder Satz, jedes Wort muss genau passen, um ernst genommen zu werden. Solange ich mir Mühe gebe und meine Worte einigermassen verständlich sind, bin ich gut genug. Alles andere ist Luxus.

Eigentlich dachte ich, eine Sprache mit 14 oder 40 zu lernen, mache einen Unterschied. Ich bin überzeugt, dem ist auch so, wenn man die richtige Lernmethode anwendet. Leider hat das mit bei mir mit Französisch überhaupt nicht gefruchtet. Man sollte meinen, nach 6 Jahren Französisch, gestartet im Alter von 13, müsste so einiges hängen geblieben sein. Zugegebenermassen, noch heute verstehe ich so einiges, dies führe ich aber eher auf meine Englischkenntnisse sowie auf ein mit dem Alter grundsätzlich verbessertes Sprachverständnis zurück. Wenn es aber dazu kommt, die Sprache anzuwenden, dann bin ich ein hoffnungsloser Fall: Es entfliehen mir noch einige verzweifelt zusammengekramte Worte in Französisch, doch schon nach ungefähr dem dritten Satz fange ich an, Englisch, jedoch mit hübschem französischem Akzent, zu sprechen – aaakward! Nach einigen Sätzen wird mir mein Fauxpas (ha, da ist wieder eines dieser wenigen haftengebliebenen Worte) klar und ich bin peinlich berührt, entschuldige mich beim Gesprächspartner, der sichtlich angestrengt sein Grinsen zurückhalten muss und wir einigen uns üblicherweise darauf, dass er Französisch weiterspricht, ich jedoch entweder auf Deutsch oder Englisch antworte. Alles andere ist leider nur peinlich…

Nun jedenfalls versuche ich es mit Spanisch. Entgegen dem Grundsatz “aller Anfang ist schwer” war der Start das einfachste. Noch konnte ich mich an die ganz grundsätzlichen Wörter und Redewendungen sowohl aus dem Urlaub wie auch von der damaligen Lern-CD erinnern. Doch nicht lange und ich betrat unbekanntes Terrain. Tiernamen, die ich nie gehört hatte, Essens- und Kleidungsbezeichnungen, die so fremd für mich waren, als stammten sie von einem anderen Planeten. Ich versuchte verzweifelt, mir Brücken zu bauen, wie “Elefante = Elefant”, klar. “Caballos = Kavallerie”, auch klar. “Gato = cat”, auch ziemlich klar. Doch wie zum Henker sollte ich mir Dinge wie “perro = Hund” merken? Wo das Wort doch mehr Ähnlichkeit mit “pierre = Stein” im französischen hat? Doch gerade diese absurden Verbindungen im meinem Kopf scheinen es auszumachen, denn trotz des absoluten Fehlens irgendwelcher Gleichartigkeit haben sich solche Worte recht gut in meinem Oberstübchen festgehalten. So erscheinen dann beim Abrufen bestimmter Wörter die abartigsten Bilder in meinem Kopf: Der Hund aus Stein, ein Zenturio mit Boxergürtel (cinturón = Gurt) oder der Faltenrock (falda = Rock).

Allerdings bemerkte ich auf einmal ein anderes Muster, das mich doch einigermassen erstaunte – ich fand immer mehr Bezüge zum Schweizerdeutschen, was aber auch an meiner lebhaften Fantasie liegen mag: “Conejo = Kaninchen”; klingt für mich ganz klar wie “Karneckel”, “corbata = Krawatte”, für mich “Grawatte”. Die Vergleichbarkeit von Wörtern, die mir allerdings am meisten Mühe macht, ist innerhalb des Spanischen selbst. Da ist wieder der “conejo”, das Karnickel, welches sich für mich sehr ähnlich wie der “cangrejo”, der Krebs, liest. Doch Greg kommentierte diese Similaritäten sehr effektiv und logisch: Es bedeutet, dass du die Sprache effektiv lernst. Denn wie könntest du ansonsten Wörter in der gleichen Sprache vergleichen? Nur, wenn dir bereits ein ähnlich lautendes Wort bereits bewusst ist. Stimmt, ich mache also Fortschritte 🙂